Neophytenbekämpfung


Nur mit regelmäßiger Pflege können Obstbäume eine langlebige und gesunde Krone und leckeres Obst ausbilden

Nur mit regelmäßiger Pflege können Obstbäume eine langlebige und gesunde Krone ausbilden

 

 

Die Landschaftspflege stellt den Haupttätigkeitsbereich des LEV Enzkreis dar. Sie umfasst neben der Sicherung einer korrekten und angemessenen Nutzung sowie Bewirtschaftung unterschiedlicher Lebensräume auch speziell auf Neophyten ausgerichtete Bekämpfungsmaßnahmen. Dabei arbeitet der LEV Enzkreis eng mit verschiedensten Akteuren zusammen, wie zum Beispiel Weidetierhaltern, Obst- und Gartenbauvereinen oder Landwirten.


Was sind Neophyten?
Der Begriff bezeichnet Pflanzenarten, welche seit 1492 durch das direkte oder indirekte Wirken des Menschen, insbesondere die Seefahrt und -handel, beabsichtigt oder (meist) unbeabsichtigt verschleppt werden und so außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets in Erscheinung treten. Die Globalisierung hat die Neophytenzahl exponentiell wachsen lassen. Typische Merkmale von Neophyten sind eine hohe Anpassungsfähigkeit und Reproduktionsrate sowie häufig eine Assoziation mit Menschen. Ob sich eine Art erfolgreich etabliert, hängt zum einen von der Anfälligkeit des betroffenen Gebietes für biologische Invasoren und zum anderen von der Zahl verschleppter Individuen einer Art ab.

Warum werden Neophyten bekämpft?
Im Vorfeld ist zu erwähnen, dass nicht jeder Neophyt ein Problem darstellt. Es gilt zwischen nicht invasiven und invasiven Neophyten zu unterscheiden. Letztere durchlaufen den Prozess der biologischen Invasion, vom Inerscheinungtreten über die Etablierung bis schließlich zur unkontrollierten, flächenhaften, die Artenvielfalt stark beeinträchtigende Ausbreitung in einem Gebiet. Voraussetzung dafür ist neben den oben genannten Eigenschaften das Fehlen des sogenannten ,,Ökologischen Kontexts”.
Dabei handelt es sich um die Beziehungen der Pflanze zu ihrer belebten (biotisch) und unbelebten (abiotisch) Umwelt, wie beispielsweise natürliche Fressfeinde (Prädationsdruck), Parasiten oder natürliche Konkurrenten hinsichtlich einer ökologischen Nische (z.B. Schattenkeimung).Neben diesen ökologischen Gefahrenpotentialien können Neophyten auch wirtschaftliche sowie gesundheitliche Risiken bergen.


Portraits deutschlandweit invasiver Neophyten

Die Bestände der vier vorgestellten Problempflanzen werden in ganz Deutschland, so auch im Enzkreis, bekämpft und stehen unter dauerhafter Aufsicht. Diese Arten haben den Status ,,etabliert” inne, was bedeutet, dass sie, ohne Einwirken des Menschen vermehrend, über mehrere Generationen in Deutschland wild lebend vorkommen. Falls Sie von einer dieser Neophyten betroffen sind, handeln Sie nicht auf eigene Faust, sondern kontaktieren uns. Wir kümmern uns um eine fachmännische Lösung und beraten Sie im Umgang mit den Problempflanzen.

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) stammt ursprünglich aus den USA/Kanada und ist als Zierpflanze nach Europa eingeführt worden. Sie ist eine ausdauernde krautige Pflanze und häufig auf Brachen, an Gewässerrändern und in Auwäldern zu finden. Sie verbreitet sich mittels Rhizomen und Samen mit Hilfe von Wind und Kraftfahrzeugen. Dabei verdrängt sie heimische lichtbedürftige Pflanzen. Durch eine regelmäßige Beweidung mit Schafen oder Rindern, regelmäßiges Aufbringen von Schnittgut (Mulchen) und einem frühzeitigen (Mai/Juni) bodennahen Schnitt mit anschließender Abdeckung mit UV-undurchlässiger Folie und Rhizombeseitigung lässt sich die Kanadische Goldrute im Griff halten. Die Solidago canadensis wird zur Entsorgung auf gewerblichen Kompostier-/Verbrennungsanlagen vernichtet.

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianium) ist eine stickstoffliebende, mehrjährige krautige aus dem Kaukasus stammende Pflanze, die ursprünglich als Zierpflanze eingeführt wurde. Sie ist hauptsächlich auf Brachen und Halden, in Bach- und Flusstälern und an Säumen von Hecken und Waldrändern zu finden. Sie verbreitet sich über ihre Rhizome und Samen mit der Hilfe von Wasser aus. Der Riesen-Bärenklau verdrängt heimische Licht- und Magerkeitsanzeiger und ruft bei Hautkontakt mit anschließender Einwirkung von UV-Strahlung aufgrund von phototoxischen Substanzen verbrennungsähnliche, schwer heilbare Quaddeln und Blasen hervor. Durch das Abstechen der obersten Wurzelstockschicht (15 cm unter Erdoberfläche), dem Entfernen der Dolden vor Samenreife und der Beweidung auf feuchten/ unzugänglichen Standorten mit Schafen, Ziegen oder Rindern und kleinen Beständen an Schweinen (fressen Blätter und Wurzeln) bekämpft man den Heracleum mantegazzianium. Entsorgt wird die Pflanze auf Verbrennungs- und Kompostieranlagen.

Das Drüßige Springkraut (Impatiens glandulifera ) wurde ursprünglich als Zierpflanze und zur Ansalbung (bewusstes Ausbringen zur Bereicherung der Flora) aus China und dem Indischen Subkontinent eingeführt. Es ist eine stickstoffliebende, einjährige krautige Pflanze, die sich hauptsächlich an Ufern, in Auenlandschaften und Wäldern ansiedelt. Impatiens glandulifera breitet sich entlang von Gewässern aus. Dabei werden die Samen durch einen Schleudermechanismus in der Kapsel, ausgelöst durch Berührung/Erschütterung, in die Umgebung katapultiert. Das Drüßige Springkraut verdrängt heimische Stickstoffzeiger. Die Bekämpfung wird durch eine bodennahe Mahd vor oder zwischen Blüte und Samenreife (über zwei Jahre hinweg) ausgeführt, außerdem kann bei kleinen Beständen auch die Pflanze vor ihrer Blüte ausgerissen werden. Entsorgt wird es bei gewerblichen Kompostierungs- und Verbrennungsanlagen oder durch Vergärung.


Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) wurde ursprünglich als Zierpflanze aus Japan, China und Korea nach Europa eingefahren. Die wuchernde, ausdauernde krautige Pflanze siedelt sich hauptsächlich an Bach- und Flussufern an und verbreitet sich entlang von Fließgewässern. Dabei verdrängt sie u.a. heimische Lichtzeiger und erhöht die Erosionsanfälligkeit von Uferbereichen. Im Griff gehalten wird der Japanische Staudenknöterich durch intensive Beweidung mit Großherbivoren, regelmäßige Mahdtermine und der Anpflanzung konkurrenzfähiger Vegetation (z.B. Schwarz-Erle; Weiden). Entsorgt wird Fallopia japonica durch Dämpfen (Behandlung kontaminierten Erdreichs mit Heißdampf), Verbrennung oder dem Fräsen von rhizomverseuchtem Erdmaterial (Rhizomcrushing).


Das Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea) fällt zwar nicht in die Kategorie der Neophyten, stellt jedoch aufgrund seiner starken Lebergifte (Pyrrolizidinalkaloide) ein hohes Risiko für Weidetiere dar. Es handelt sich um eine zweijährige, manchmal auch ausdauernde, krautige Pflanze, die durch den Wind ausgebreitet wird. Ursprünglich heimisch in den Ebenen und mittleren Gebirgslagen Europas, kommt sie vorweigend auf Wiesen, Brachen, Staudenfluren und Magerrasen vor. In den USA sowie Australien gilt das Jakobs-Kreuzkraut als Neophyt. Insbesondere auf Pferdeweiden findet Senecio jacobae aufgrund des selektiven, unregelmäßigen Fraßes der Pferde mit stark abgefressenen Störstellen ideale Ansiedelungsbedingungen.
Zu den Bekämpfungsmaßnahmen zählen zum einen die zweimalige Mahd vor dem Blühaspekt, zum anderen das händische Ausstechen oder Ausreißen der Blattrosette. Auf Weiden mit lückiger Grasnarbe sollte Ansaat mit Grassamen erfolgen, um das Etablieren präventiv zu unterbinden.

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