Artenschutzprojekte

Der Artenschutz umfasst den Erhalt, die Pflege sowie die Entwicklung der Bestände wildlebender Arten, welcher neben ethischen und ästhetischen Prinzipien vor allem ökologische Relevanz hat. Neben dem Erhalt wertvoller Lebensräume (Biotop- und Flächenschutz) ist der Schutz von bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein weiterer Aufgabenbereich des LEV Enzkreis. Auch hier wird unter anderem das Instrument der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) angewendet.


Wildkatze (Felis silvestris)

Der Enzkreis bietet durch seine abwechslungsreiche Landschaft einer Vielzahl an verschiedenen Arten einen Lebensraum. Ein besonders schützenswertes Säugetier ist die Bechsteinfledermaus. Diese Fledermausart ist im Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) erwähnt und ist eine typische Waldfledermaus. Sie lebt in alten Laubwäldern mit einem hohen Totholzanteil. Auch die Wildkatze findet man in Waldlandschaften. Dieses sehr scheue Tier hat kaum natürliche Fressfeinde. Eine große Bedrohung stellt jedoch der Straßenverkehr für sie dar. Die Zerschneidung und Zerstörung der Habitate wirkt sich ebenfalls negativ auf die Wildkatze aus. Um diesen und anderen Säugetierarten zu helfen, wird der Biotopverbund voran getrieben um eine bessere Vernetzung der Lebensräume zu ermöglichen.


Wechselkröte (Bufotes viridis)

Auch bei den Amphibien gibt es besondere Arten im Enzkreis zu entdecken. Hier sind die Vorkommen von Gelbbauchunke und Wechselkröte zu nennen. Ein Beispiel für ein Amphibienschutzprojekt ist der  Wechselkrötentümpel in Maulbronn, welcher durch eine Entbuschungsmaßnahme wieder in einen geeigneten Lebensraum für die Wechselkröte umgewandelt werden konnte. Dieses Amphib ist als Pionier- und Steppenart auf vegetationsarme und stark besonnte Wasseransammlungen in Trockenbiotopen angewiesen. Im Enzkreis befinden sich diese Biotope meist in Steinbrüchen. Die Rekultivierung von Brachflächen, die Verschattung sowie die Austrocknung geeigneter Standorte führen zu erschwerten Lebensbedingungen für die Wechselkröte. Auch sie ist im Anhang IV der FFH-Richtlinie genannt und somit streng geschützt. 


Strömer (Telestes souffia)

Die Enz, die sich mitten durch das Kreisgebiet schlängelt, ist Heimat für viele verschiedene Fische, wie den seltenen Strömer. Auch in den Bächen, die in die Enz fließen ist der Strömer daheim. Dieser Karpfenfisch bevorzugt rasch fließende, reich strukturierte Gewässer der Äschenregion. Sie zeichnet sich durch hohen Sauerstoffgehalt, Wassertemperaturen bis 15 Grad, sowie Geröll und Kies als Substrat aus. Die auf der Roten Liste als stark gefährdet deklarierte Fischart, kommt nur noch in sechs Ländern vor. Aufgrund seiner hohen Lebensraumansprüche (ruhigere Bereiche zum Rasten, schneller fließende Bereiche für die Jagd, spezielle Bedingungen zur Eiablage) ist der Strömer stark zurückgegangen und deshalb Bestandteil des Anhang II der FFH-Richtlinie. Für den Stömer wird versucht die Umgebung der Gewässer möglichst ökologisch zu gestalten um negative Einflüsse auf die Gewässer zu vermeiden.


Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)

Auch im Bereich der Insekten gibt es bedrohte Arten, wie zum Beispiel den Weinzwirner. Außer in Rheinland-Pfalz gibt es ihn nur noch im Enzkreis. Eine weitere Besonderheit sind die Ameisenbläulinge (Maculinea). Diese Schmetterlingsgattung ist im Enzkreis unteranderem in Form vom Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling vertreten. Sie sind mit ihrem sehr speziellen Entwicklungszyklus an den Großen Wiesenknopf, eine dunkelrote Blütenpflanze, gebunden. In die Blüte der Pflanze werden die Eier abgelegt und die geschlüpfte Raupe frisst an der Blüte. Nach einiger Zeit lässt sie sich fallen und von Ameisen in ihren Bau tragen. Dort tarnt sich die Raupe durch einen bestimmten Duft und wird so für die Ameisen “unsichtbar”. So kann sie die Ameisenbrut und deren Nahrung fressen. Nach der Verpuppung, rechtzeitig zur Blüte des Großen Wiesenknopfes, schlüpft der Schmetterlinge und verlässt den Ameisenbau. Zum Schutz der Schmetterlinge, werden vorhandene Flächen mit Wiesenknopfvorkommen geschützt und neue angelegt.


Halsbandschnäpper-Männchen (Ficedula albicollis)

In den vielen Streuobstwiesen im Enzkreis, insbesondere im Kraichgau, kann man seltene Vogelarten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Ein Beispiel ist der schwarz-weiß gefiederte Halsbandschnäpper. Dieser Streuobstbewohner steht auf der Roten Liste in Deutschland. Baden-Württemberg hat dabei eine hohe Verantwortung, da der Anteil der in Deutschland vorkommenden Halsbandschneppern zu 50% bis 67% in Baden-Württemberg liegt. Die Erhaltung und extensive Bewirtschaftung alter Streuobstbestände und das Anbringen von Nisthöhlen können dem Halsbandschnäpper helfen. 2021 wurden 100 Nistkästen an Bäumen angebracht.


Wendehals (Jynx torquilla)

Auch der Wendehals gilt als besonders schützenswert, so ist er laut der Roten Liste Deutschland stark gefährdet. Im gesamten Enzkreis wurden mithilfe der heimischen Obst-und Gartenbauvereine spezielle Nistkästen für den Wendehals installiert. Da dieser relativ spät im Frühjahr aus dem Süden zurückkehrt, sind die meisten Nistkästen schon belegt und der Wendehals findet keinen Platz mehr zum Brüten. Die installierten Nistkästen sollten daher erst zu seiner Rückkehrzeit geöffnet werden, um ihm einen Raum zum Brüten zu geben und die Ansiedelung zu fördern. So wurden 2017 über 100 Nistkästen speziell für den Wendehals aufgehängt, auch 2018 und 2019 dauert dieses Projekt weiter an.


Junge Steinkäuze (Athene noctua)

Ein weiterer Bewohner von Streuobstflächen ist der Steinkauz. Er verliert vor allem durch die Erweiterung von Siedlungsgebieten und der Intensivierung der Landwirtschaft seinen Lebensraum. Dabei gilt diese Eulenart als Vorzeigebeispiel für den Artenschutz in Baden-Württemberg, denn auch er befand sich in Baden-Württemberg auf der Roten Liste und konnte durch erfolgreiche Maßnahmen, wie das Anbringen von Niströhren, auf die Vorwarnliste zurückgestuft werden. Trotzdem beträgt der Brutbestand noch lange nicht die ursprüngliche Bestandsgröße.

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