Artenschutzprojekte

Der Artenschutz umfasst den Erhalt, die Pflege sowie die Entwicklung der Bestände wild lebender Arten, welcher neben ethischen und ästhetischen Prinzipien vor allem ökologische Relevanz hat.
Neben dem Erhalt wertvoller Lebensräume (Biotop- und Flächenschutz) ist der Schutz von bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein weiterer Aufgabenbereich des LEV Enzkreis. Auch hier wird unter anderem das Instrument der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) angewendet.


Wildkatze (Felis silvestris)

Der Enzkreis zeichnet sich durch eine Diversität an besonderen und seltenen Arten aus und bietet ihnen einen vielfältigen Lebensraum. Man findet hier viele verschiedene Säugetiere, beispielsweise bei den Fledermäusen auch FFH-Arten, wie die Bechsteinfledermaus. Außerdem ist im Stromberg die Wildkatze zuhause, die in Deutschland seit 1912 als ausgestorben galt und leise wieder in waldreiche Gebiete, wie den Stromberg, zurückkehrt. Das wilde Pendant zur Hauskatze hat abgesehen vom Menschen, der insbesondere durch Zerscheidung und Ausräumung der Landschaft einen indirekten Gegenspieler darstellt, den Wolf und den Luchs als natürlichen Fressfeind. Gelegentlich erbeuten auch Greifvögel oder der Fuchs Jungtiere. Die Wildkatze ist überaus scheu und lebt zurückgezogen in Waldlandschaften.

Bei den Amphibien gibt es ebenso besondere und seltene Arten im Enzkreis zu entdecken. Hier sind vorrangig die europaweit herausragenden Vorkommen von Gelbbauchunke oder Kammmolch, außerdem auch Spring- und Laubfrosch, zu nennen.

Wechselkröte (Bufotes viridis)

Ein Beispiel für ein Amphibienschutzprojektist der Wechselkrötentümpel Maulbronn, welcher durch eine Entbuschungsmaßnahme wieder in einen geeigneten Lebensraum für die Wechselkröte umgewandelt wurde. Dieses kleine Amphib ist als Pionierart auf vegetationsarme, stark besonnte, mit sporadischen, flachgründigen Wasseransammlungen geprägte Trockenbiotope, wie Steinbrüche, Gesteinsaufschüttungen, brachgefallene Felder oder Abgrabungsstätten angewiesen. Diese speziellen Biotope sind in der heutigen überprägten und unter ständigem Wandel stehenden Landschaft rar geworden, wobei insbesondere die Rekultivierung von Brachflächen und die Verschattung sowie die Austrockung geeigneter Standorte als Hauptgrund für die erschwerten Lebensbedingungen zu nennen sind. Aus diesem Grund ist sie im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) in Anhang IV der streng geschützten Arten registriert.

Der Strömer (Telestes souffia) besticht durch sein auffälliges Äußeres.

Die Enz, die sich mitten durch das Kreisgebiet schlängelt, ist Heimat für viele verschiedene Fische, darunter auch für den sehr seltenen ,,Strömer”. Dieser strömungsliebende Karpfenfisch (Cyprinidae) bevorzugt raschfließende, reichstrukturierte Gewässer der Äschenregion, die sich durch eine hohe Strömungsgeschwindigkeit, recht hohen Sauerstoffgehalt, Wassertemperaturen bis 15 Grad Celcius sowie Geröll und grob- bis feinkörnigen Kies als Substrat auszeichnet.

Die auf der Roten Liste als stark gefährdet deklarierte Fischart, kommt nur noch in 6 Ländern vor: Südfrankreich (Rhône), Süddeutschland (Main) und Norditalien sowie ehemaliges Juguslawien, Österreich und Schweiz. Aufgrund seiner hohen Lebensraumansprüche (ruhigere Bereiche zum Rasten, schnellerfließende Bereiche für die Jagd, spezielle Bedingungen zur Eiablage) ist der Strömer stark zurückgegangen und deshalb Bestandteil des Anhangs 2 der FFH-Richtlinie.

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)

Auch im Bereich der Insekten gibt es bedrohte Arten, wie zum Beispiel den Weinzwirner. Außer in Rheinland-Pfalz gibt es in ganz Deutschland nur noch im Enzkreis Vorkommen der wärmeliebenden Singzikadenart, die den größten Vertreter dieser Artengruppe in ganz Mitteleuropa darstellt. Eine weitere Besonderheit sind die Ameisenbläulinge (Maculinea). Diese Schmetterlingsgattung ist im Enzkreis in Form vom Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius bzw. Maculinea nausithous) vetreten. Sie hat eine Vorliebe für den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), eine dunkelrote Blütenpflanze, in die sie ihre Eier ablegt. Die Raupen lassen sich dann von einer bestimmten Ameisenart aufziehen und ernähren – der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist sozusagen der “Kuckuck” unter den Schmetterlingen.

In den vielen Streuobstwiesen im Enzkreis, insbesondere im Kraichgau, kann man seltene Vögel wie Halsbandschnäpper, Wendehals oder Steinkauz in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.

Der Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis) hat derzeit einen geschätzen Brutbestand von 1.800 bis 3.600 Paaren in Baden Württemberg. Dabei nehmen die Brutpaare immer weiter ab, weshalb der schwarz-weiß gefiederte Streuobstwiesenbewohner auf der Roten Liste 3 in BW und in D steht. Baden Württemberg hat dabei eine hohe Verantwortung beim Schutz dieser Vögel, da der Anteil der in Deutschland vorkommenden Halsbandschnepper zu 50–67 % in Baden Württemberg liegt.  Diee Erhaltung und extensive Bewirtschaftung alter Streuobstbestände, der eingeschränkte Gebrauch von Bioziden und das Anbringen von Nisthöhlen sind Beispiele für Schutzprojekte für den Halsbandschnäpper.

Wendehals (Jynx torquilla)

Auch der Wendehals (Jynx Torquilla) gilt als besonders schützenswert, so ist er laut der Roten Liste Deutschland und der Roten Liste Baden Württemberg stark gefährdet (Kategorie 2), weshalb auch der LEV Enzkreis sich mit einem Projekt dieser Art widmet. Im gesamten Enzkreis wurden mithilfe der heimischen Obst-und Gartenbauvereine spezielle Nistkästen für den Wendehals installiert. Da dieser relativ spät im Frühjahr aus dem Süden zurückkehrt, sind die meisten Nistkästen schon belegt und der Wendehals findet keinen Platz mehr zum Brüten. Die installierten Nistkästen sollen daher erst zu seiner Rückkehrzeit geöffnet werden, um ihm einen Raum zum Brüten zu geben und die Ansiedelung zu fördern. So wurden 2017 über 100 Nistkästen speziell für den Wendehals aufgehängt, auch 2018 und 2019 dauert dieses Projekt weiter an. Denn mit einem geschätzten Brutbestand von 1.400 bis 3.100 Brutpaaren in Baden Württemberg bei einem starken Rückgang, bedingt durch stetigen Lebensraumverlust, wie Aufgabe von alten und extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen und der Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Verbrachung und Verbuschung von Nahrungsflächen, ist der Wendehals dringend auf Unterstützung angewiesen.  Auch in den Überwinterungsgebieten in Afrika hat dieser Spechtvogel mit Lebensraumverlust, Fangproblematik und Klimawandel zu kämpfen.

Junge Steinkäuze (Athene noctua)

Der Steinkauz (Athene noctua) verliert vor allem durch die Erweiterung von Siedlungs- und Gewerbegebieten, die Aufgabe und Vernichtung von Streuobstbeständen und Grünlandverlust sowie der Intensivierung der Landwirtschaft seinen Lebensraum. Dabei gilt diese Eulenart als Vorzeigebeispiel für den Artenschutz in Baden Württemberg, denn auch er befand sich in Baden Württemberg auf der Roten Liste und konnte durch erfolgreiche Maßnahmen, wie z. B. das Anbringen von Niströhren,  auf die Vorwarnliste zurückgestuft werden. Trotzdem beträgt der Brutbestand mit 350 bis 750 Brutpaaren noch lange nicht die ursprüngliche Bestandsgröße und ist auf der Roten Liste Deutschland nach wie vor in der Kategorie 2 aufgelistet.

Um diese und noch viele weitere Arten zu schützen und zu erhalten, arbeitet der LEV Enzkreis mit den unterschiedlichsten Akteuren, wie Landwirten, Winzern, Schäfern, den Naturschutzverbänden und den Kreisverwaltungen eng zusammen.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentare sind geschlossen.